Gewerbesteuersätze - Welchen Einfluss haben sie auf die Standortentscheidung eines Unternehmens?

  • #Buerosuche

Die Auswahl eines geeigneten Firmenstandortes hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Neben Entscheidungen über Flächengröße und Lage, spielen die finanziellen Aspekte beim Abschluss eines Mietvertrages eine entscheidende Rolle. Dabei stehen selbstverständlich die Nettokaltmiete und Nebenkosten im Vordergrund. Es gibt jedoch einen weiteren Kostenfaktor, der je nach Standort variabel ist und einen Einfluss auf die finale Standortentscheidung haben kann, nämlich den Gewerbesteuersatz. Im Folgenden, gehen wir näher auf die Gewerbesteuer ein und erklären, was sie beinhaltet und wie sie die Standortentscheidung beeinflussen kann. 

Wen betrifft die Gewerbesteuer?

In Deutschland ist jedes Gewerbe, mit Ausnahme von Freiberuflern und Fort- und Landwirtschaftsbetrieben, dazu verpflichtet, die Gewerbesteuer abzuführen. Diese Steuer wird von der Gemeinde, in der das Unternehmen sitzt, erhoben und ist eine der Haupteinkommensquellen für diese. Dabei variiert der Betrag von Gemeinde zu Gemeinde, weswegen die Entscheidung über den Sitz des Unternehmens dadurch beeinflusst wird. Die Gewerbesteuererklärung ist regelmäßig zum 31. Mai des Folgejahres fällig. 

Wie wird die Gewerbesteuer berechnet?

Die Gewerbesteuer wird aus zwei Komponenten errechnet. Dabei wird zwischen Steuersatz und Hebesatz unterschieden. Der Steuersatz liegt bei 3,5% und der Hebesatz ist ein Multiplikator, der deutschlandweit zwischen 200 in kleinen Gemeinden und über 400 in großen Städten variiert. Um die abzuführende Gewerbesteuer zu ermitteln, wird zunächst der Steuermessbetrag ermittelt, indem 3,5% des Gewinns berechnet werden. Diese Summe wird dann mit dem in der Gemeinde Hebesatz multipliziert und das Resultat ergibt die abzuführende Gewerbesteuer. 

Wie stark belastet die Gewerbesteuer mein Unternehmen?

In Frankfurt am Main liegt der Hebesatz bei 460%, also muss der Steuermessbetrag mit 4,6 multipliziert werden, um die tatsächliche Gewerbesteuer zu ermitteln. Im nur 13 km entfernten Eschborn liegt dieser Satz beispielsweise bei nur 330%, also in einem wesentlich niedrigeren Bereich. In diesem Beispiel sieht man, welche Unterschiede zwischen Gemeinden liegen können, die geographisch nicht so weit auseinander liegen. Im Folgenden, zeigen wir an einem stark vereinfachten Beispiel die unterschiedliche Belastung durch die Gewerbesteuer. 

 

Personengesellschaft A sitzt in Frankfurt a.M. und hat in 2019 einen Gewinn von 150.000€ erzielt. Aufgrund ihrer Rechtsform darf sie den Freibetrag von 24.500€ abziehen, was ihren Gewerbeertrag auf 125.500€ mindert. Dieser Ertrag wird nun mit der Steuermesszahl multipliziert und ergibt (abgerundet auf volle Euro) 4.392€. Dieser Betrag wird nun mit dem in Frankfurt geltenden Hebesatz von 4,6 multipliziert und ergibt 20.203€. 

Wenn wir das gleiche Beispiel für Personengesellschaft B mit Sitz in Eschborn berechnen, kommen wir bei einem Gewinn von 150.000€, abzüglich eines Freibetrags von 24.500€, auf eine Gewerbesteuer in Höhe von 14.493€ bei einem Hebesatz von 3,3. 

 

Aus diesem Beispiel wird deutlich, welchen Einfluss der Hebesatz auf die Gewerbesteuer hat. Dabei ist das oben errechnete Beispiel allerdings nur als schemenhaft zu sehen. Es gibt viele verschiedene Regelungen, die die Berechnung des zu versteuernden Gewinns beeinflussen können. 

Wie wird der zu versteuernde Gewinn ermittelt?

Bei der Ermittlung des zu versteuernden Gewinns gibt es einige Regelungen. Zum einen gibt es einen Freibetrag für Einzelunternehmen und Personengesellschaften in Höhe von 24.500€, der vom Gewinn abgezogen werden kann und somit die Steuerlast senkt. Kapitalgesellschaften sind von dieser Regelung ausgenommen, für sie gilt dieser Freibetrag nicht. Zum anderen gibt es Regelungen für Hinzurechnungen und Abzüge, um den zu versteuernden Gewinn zu ermitteln. Diese werden angewandt, um Doppelbesteuerungen zu vermeiden und werden in §8 und §9 im Gewerbesteuergesetz erklärt. Für Laien kann es mitunter eine sehr komplexe Angelegenheit werden, weswegen wir Ihnen empfehlen, sich dabei Unterstützung von einem kompetenten Steuerberater zu holen, um die bestmögliche Lösung zu finden. 

 

Ist die Gewerbesteuer absetzbar?

Die Gewerbesteuer an sich ist keine abzugsfähige Betriebsausgabe, sie kann also nicht als gewinnmindernd angesetzt werden. Jedoch haben Einzelunternehmen und Gesellschafter von Personengesellschaften die Möglichkeit, unter gewissen Umständen, die gezahlte Gewerbesteuer in der jeweiligen Einkommenssteuererklärung, die für Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb zu bezahlen ist, geltend zu machen. Dies ist bestimmten Regelungen aus dem Einkommensteuergesetz unterworfen. Auch hier empfehlen wir Ihnen, sich kompetente Unterstützung zu suchen, falls Unsicherheiten bestehen. 

 

Wie oben bereits erläutert, hängt die Standortentscheidung für ein neues oder bestehendes Unternehmen von vielen verschiedenen Faktoren ab. Die Höhe der Gewerbesteuer ist nur eine davon, die aber wiederum selbst von unterschiedlichen Einflüssen abhängt. Dieser Artikel dient zur besseren Einordnung dieser Thematik und zeigt auf, wie groß der Unterschied zwischen den Gemeinden sein kann, auch wenn diese geographisch nicht so weit auseinander liegen. 

 


 

Sie suchen aktuell nach einem Büro?

Wir helfen wir Ihnen gerne weiter.
Ophigo ist eine Plattform, die Unternehmen unterstützt, ihr nächstes Büro zu finden. 

Senden Sie uns eine E-Mail oder rufen Sie uns an unter +49 69 120 063 399.